Tourismus und Freizeit sind grundlegende Aspekte des Lebens, und das Recht auf Teilhabe daran steht für Lebensqualität und gleichberechtigte soziale Teilhabe – genauso wie Zugang zu Bildung oder Arbeit. Freizeit als ganzheitliche Erfahrung – körperlich, psychisch und sozial – ist essenziell für das Wohlbefinden. Für Menschen mit funktionaler Diversität ist sie ein entscheidender Faktor für umfassende Inklusion.
Der Cabildo Insular de La Palma stellt spezielle Ausrüstung (Joëlettes) kostenfrei zur Verfügung, damit Menschen mit eingeschränkter Mobilität Wandern auf der Insel genießen können. Diese geländegängigen, adaptiven Stühle stehen sowohl Einheimischen als auch Besucher*innen zur Verfügung, um Ausgrenzung aufgrund mangelnder Zugänglichkeit zu vermeiden.
Die Joëlette
Die Joëlette ist ein vom französischen Bergführer (und Gründer der Vereinigung «Handi Cap Evasion») Joël Claudel Ende der 80er-Jahre entwickelter geländegängiger «Rollstuhl». Es handelt sich um einen bereiften Tragesitz (s. Bilder), der es Menschen mit Bewegungseinschränkung ermöglicht, fast alle Arten von Wegen zu benutzen. Erfunden hat Joël Claudel diesen Geländesitz, damit auch seine Nichte Stéphane, die an Myopathie, einer entzündlichen Muskelerkrankung, litt, an den Wandertouren der Familie in den Alpen teilnehmen konnte.
Konstruktionsmäßig ist die Joëlette nichts anderes als ein Sitz, der ähnlich wie bei einem Moped auf einem Rad aufsitzt. Vorne und hinten stehen je zwei 120 cm lange Griffe vor. Die Joëlette ist mit Sicherheitsvorkehrungen und Komfortzubehör ausgerüstet: Ständer, Sicherheitsgurt, Fußriemen, Scheibenbremse, Stossdämpfer, Sitz- und Rückenkissen, Kopfstütze. Außerdem ist das gesamte Gerät leicht demontierbar und passt problemlos in den Kofferraum eines PKWs. Waren die ersten Modelle noch Einzelausführungen, wird die Joëlette heute industriell hergestellt und vom französischen Unternehmen CDRD vertrieben.
Funktionsweise
Für den Einsatz braucht die Joëlette je nach Terrain eine Crew von 3 bis 4 «Mann». Neben dem Passagier sind dies zwei Träger sowie eine dritte Person, die die Träger ablöst und auf die Sicherheit des Vorankommens achtet. Es ist wichtig, dass das Gewicht von Joëlette und Passagier immer auf der Radachse ruht. Um dies zu erreichen, kann der hintere Träger mit einem Hebel die Neigung des Sitzes verstellen und so das Gleichgewicht halten. Ist die Joëlette im Gleichgewicht, muss niemand das Gewicht mit den Armen oder dem Rücken tragen. Der vordere Träger gibt die Richtung an und zieht.
Die Kommunikation zwischen den Crewmitgliedern ist eine unabdingbare Voraussetzung für das reibungslose Funktionieren der Joëlette . Ungefähr ein halber Tag üben genügt, um sich die Grundtechnik anzueignen. Aufgrund der technischen Eigenschaften des Geräts kann man fast alle Arten von Wegen benutzen. Mit einer Joëlette unterwegs zu sein, ist einfacher, als ein Fahrrad zu schieben. In der Tat stellen nicht die Materialien sondern die Technik und die Kraft der Träger den limitierenden Faktor dar.